Interne Links verteilen Relevanz innerhalb einer Website und zeigen Suchmaschinen, welche Seiten Ihnen wichtig sind. Wirksam sind beschreibende Linktexte, Verweise mitten im Fließtext und eine Klicktiefe von höchstens drei Klicks ab Startseite. Verwaiste Seiten, Footer-Linklisten mit dreißig Einträgen und Linktexte wie hier klicken verwässern das Signal.
Warum sind interne Links mehr als Navigation?
Externe Links können Sie nur bedingt beeinflussen. Die interne Verlinkung dagegen gehört Ihnen vollständig: Sie bestimmen, welche Seite von wie vielen anderen Seiten mit welchem Text angesteuert wird. Das ist der am stärksten unterschätzte Hebel im technischen SEO.
Suchmaschinen leiten aus dem Linkgraphen zwei Dinge ab. Erstens: Wie leicht ist eine Seite erreichbar, also wie oft und von wo wird sie verlinkt? Zweitens: Worum geht es auf ihr, abgelesen unter anderem am Linktext der eingehenden Verweise.
Ein Logistikdienstleister hatte seine Seite zur Gefahrgutlogistik ausschließlich über ein Untermenü angebunden. Nach einer Überarbeitung, bei der elf Ratgeberbeiträge kontextbezogen darauf verwiesen, stieg die Seite innerhalb eines Quartals aus dem Bereich um Position 30 in die erste Ergebnisseite — ohne einen einzigen neuen externen Link.
Wie formuliere ich Linktexte, die etwas bewirken?
Der Linktext ist die kürzeste Beschreibung des Ziels, die es gibt. Steht dort mehr erfahren, weiß niemand — weder Mensch noch Maschine —, was hinter dem Verweis liegt. Steht dort Anforderungen an die Gefahrgutkennzeichnung, ist beides beantwortet.
- Beschreiben Sie das Ziel, nicht die Handlung: nicht hier klicken, sondern das Thema selbst.
- Halten Sie den Text bei zwei bis sechs Wörtern; ganze Sätze als Link lesen sich schlecht.
- Variieren Sie die Formulierung über verschiedene Quellseiten hinweg, statt hundertmal identisch zu verlinken.
- Vermeiden Sie Linktexte, die zu einer anderen Seite besser passen würden als zum tatsächlichen Ziel.
Prüfen lässt sich das schnell: Lesen Sie ausschließlich die Linktexte einer Seite hintereinander weg, ohne den umgebenden Text. Ergibt sich daraus ein brauchbares Inhaltsverzeichnis der verlinkten Ziele, stimmt die Beschriftung. Liest sich die Liste wie mehr erfahren, weitere Informationen, zur Übersicht, haben Sie Arbeit vor sich.
Eine leichte Variation ist kein Mangel, sondern erwünscht. Wenn zwanzig Seiten mit exakt derselben Phrase auf ein Ziel verweisen, wirkt das schematisch — und Sie verschenken die Chance, verwandte Formulierungen abzudecken, nach denen ebenfalls gesucht wird.
Kontextlink im Fließtext oder Modulbox — was wirkt stärker?
Ein Link mitten im Absatz steht in einem thematischen Zusammenhang, den Suchmaschinen mitlesen. Eine Box mit der Überschrift Das könnte Sie auch interessieren steht neben dem Text und liefert deutlich weniger Kontext. Beide haben ihren Platz, aber sie sind nicht gleichwertig.
Hinzu kommt die Position im Dokument. Ein Verweis im ersten Drittel eines Textes wird häufiger geklickt als einer im Schlussabsatz, und er steht meist in dem Absatz, der das Thema einführt. Wenn Sie eine Seite gezielt stärken wollen, gehört der Link nicht ans Ende, sondern dorthin, wo das Thema zum ersten Mal fällt.
Automatisch erzeugte Empfehlungsmodule haben zudem einen Nebeneffekt: Sie verlinken auf jeder Seite andere Ziele, oft nach Aktualität sortiert. Damit ist der Linkgraph nicht mehr steuerbar, sondern zufällig. Für wichtige Zielseiten sollten Sie sich nicht auf solche Module verlassen.
Unsere Empfehlung für redaktionelle Inhalte: zwei bis fünf bewusst gesetzte Kontextlinks pro Beitrag, davon mindestens einer auf eine Seite mit Geschäftsbezug. Module dürfen ergänzen, aber sie ersetzen die redaktionelle Entscheidung nicht.
Wie tief liegen meine Seiten, und welche sind gar nicht verlinkt?
Klicktiefe: der Weg von der Startseite
Klicktiefe bezeichnet die Zahl der Klicks von der Startseite bis zur Zielseite auf dem kürzesten Weg. Als Orientierung gilt: geschäftsrelevante Seiten in maximal drei Klicks, alle indexierbaren Seiten in maximal vier bis fünf. Was tiefer liegt, wird seltener gecrawlt und schlechter bewertet.
Tiefe entsteht selten absichtlich. Sie entsteht durch paginierte Übersichten, bei denen ein Beitrag von Seite 1 nach Seite 7 rutscht, durch Filterseiten, die nur über Dropdowns erreichbar sind, und durch Archivstrukturen nach Jahr und Monat.
Gegenmittel sind Themenübersichten statt reiner Chronologie, Verweise aus dem Fließtext älterer Beiträge auf neue und umgekehrt, sowie eine HTML-Übersichtsseite für Inhalte, die sonst nur über Paginierung erreichbar wären.
Messen lässt sich die Tiefe mit jedem Crawler, der von der Startseite aus startet und die Ebene je URL ausgibt. Sortieren Sie die Ausgabe absteigend nach Tiefe und gleichen Sie die oberen Zeilen mit Ihrer Liste geschäftsrelevanter Seiten ab — die Überschneidung ist Ihre Aufgabenliste.
Verwaiste Seiten: gar kein Weg
Eine verwaiste Seite existiert, ist aber von keiner anderen Seite Ihrer Website aus verlinkt. Sie taucht dann höchstens über die Sitemap auf. Solche Seiten entstehen bei Relaunches, bei abgeschalteten Kampagnen und bei Beiträgen, deren Übersichtsseite später umgebaut wurde.
Der Nachweis gelingt über einen Abgleich zweier Listen: Sie crawlen die Website mit einem Werkzeug wie Screaming Frog, Sitebulb oder einem eigenen Skript und vergleichen die gefundenen URLs mit denen aus XML-Sitemap, CMS-Export und Search-Console-Daten. Was nur in der zweiten Liste steht, ist verwaist.
- Crawl-Liste gegen Sitemap: findet Seiten, die kein interner Link erreicht.
- Search-Console-Seitenbericht gegen Crawl: findet indexierte Seiten ohne internen Verweis.
- Serverlogs gegen Crawl: zeigt, welche URLs Suchmaschinen abrufen, die Sie selbst nicht verlinken.
- CMS-Export gegen Crawl: deckt unveröffentlichte oder falsch verknüpfte Inhalte auf.
Der Großhändler aus unserem Beispiel fand auf diesem Weg 63 Produktseiten, die nach der Umstellung des Katalogsystems aus keiner Kategorie mehr erreichbar waren. Sie standen weiterhin in der Sitemap und wurden vereinzelt aufgerufen, waren im Navigationsbaum aber schlicht nicht mehr vorhanden.
Nicht jede verwaiste Seite braucht einen Link. Manche gehören auf noindex, manche weitergeleitet, manche gelöscht. Die Liste ist eine Entscheidungsvorlage, keine Aufgabenliste zum blinden Abarbeiten.
Welche Seiten sollen die meiste Linkkraft bekommen?
Bevor Sie Links setzen, brauchen Sie eine Rangfolge Ihrer Ziele. Ein technischer Großhändler hat typischerweise Kategorieseiten, Leistungsseiten, Ratgeberbeiträge, Standortseiten und Rechtstexte — und diese fünf Gruppen verdienen sehr unterschiedlich viel interne Aufmerksamkeit.
- Höchste Priorität: Seiten, auf denen Anfragen oder Bestellungen entstehen.
- Hohe Priorität: Überblicksseiten, die ein ganzes Themenfeld zusammenfassen.
- Mittlere Priorität: Detailbeiträge, die überwiegend informieren.
- Niedrige Priorität: Impressum, Datenschutz, Archive und Pressemitteilungen älteren Datums.
Wenn jede Seite gleich wichtig verlinkt ist, hat die Website keine Prioritäten — und die Suchmaschine rät.
Praktisch heißt das: Prüfen Sie für Ihre zehn wichtigsten Seiten, wie viele interne Verweise auf sie zeigen und aus welchem Kontext. Liegt eine Umsatzseite bei drei eingehenden Links und ein Pressetext von 2019 bei vierzig, stimmt die Gewichtung nicht.
Schaden Footer-Linkwüsten, und hilft nofollow im internen Bereich?
Footer mit vierzig oder mehr Links, die auf jeder Seite identisch erscheinen, tragen kaum thematische Information bei. Sie schaden nicht direkt, aber sie verdünnen: Jeder zusätzliche Link auf einer Seite teilt die weitergegebene Relevanz weiter auf. Ein Footer mit acht bis fünfzehn gut gewählten Zielen ist die bessere Wahl.
Zum internen nofollow eine klare Antwort: Es funktioniert nicht als Steuerungsinstrument. Google behandelt das Attribut seit 2019 als Hinweis, und die früher verbreitete Technik des sogenannten PageRank-Sculptings verpufft — die Relevanz fließt nicht auf die verbleibenden Links um, sie verfällt.
Wenn eine Seite nicht in den Index soll, gehört das über ein noindex-Meta-Tag geregelt. Soll sie gar nicht erst erreichbar sein, verlinken Sie sie nicht. Internes nofollow bleibt sinnvoll allenfalls bei Login-, Warenkorb- oder Filterlinks, und selbst dort ist eine saubere URL-Architektur die stabilere Lösung.
Wie halte ich die Verlinkung im CMS gepflegt?
Interne Links veralten leise. Eine URL ändert sich, ein Beitrag wird gelöscht, eine Kategorie umbenannt — und dreißig Verweise zeigen ins Leere oder auf eine Weiterleitungskette. Ohne Prozess merkt das niemand, bis der nächste Crawl es aufdeckt.
- Verlinken Sie im CMS über Seitenreferenzen statt über eingetippte URLs, damit Umbenennungen automatisch greifen.
- Lassen Sie Redakteure beim Veröffentlichen bestätigen, dass zwei bis drei Kontextlinks gesetzt sind.
- Crawlen Sie die Website quartalsweise und beheben Sie interne 404er und Weiterleitungsketten.
- Biegen Sie nach jedem Umzug einer URL die internen Verweise direkt um, statt sie über die 301 laufen zu lassen.
Hilfreich ist außerdem ein kurzes Verzeichnis der Vorzugsziele: zehn bis fünfzehn Seiten samt passender Linktexte, auf das die Redaktion beim Schreiben zugreift. Ohne solche Liste verlinken alle das, was ihnen gerade einfällt — meist die Startseite und die Kontaktseite, die beide ohnehin überall stehen.
Der Aufwand liegt bei sauber gepflegten Auftritten mittlerer Größe bei etwa zwei bis vier Stunden im Quartal. Nach einem Relaunch ist er deutlich höher — dann lohnt eine vollständige Aufnahme des Linkgraphen vor und nach dem Umzug, um Verluste sichtbar zu machen.