Wikidata ist eine freie, maschinenlesbare Datenbank der Wikimedia Foundation. Ein Unternehmens-Item braucht Label, Beschreibung und belegte Aussagen zu Rechtsform, Sitz, Gründung und Branche. Die Hürde ist die Relevanz: Ohne unabhängige Berichterstattung oder eine amtliche Datenbank als Quelle wird ein Item regelmäßig zur Löschung vorgeschlagen.
Was ist Wikidata und wie unterscheidet es sich von Wikipedia?
Wikipedia besteht aus Artikeln, also aus Fließtext für Menschen. Wikidata besteht aus Datensätzen, also aus strukturierten Aussagen für Maschinen. Beide Projekte gehören zur Wikimedia Foundation, haben aber getrennte Regelwerke und getrennte Gemeinschaften.
Ein Datensatz heißt Item und trägt eine Kennung aus dem Buchstaben Q und einer Nummer. Diese Kennung ist der eigentliche Wert: Sie ist sprachunabhängig und wird von zahlreichen anderen Diensten übernommen, um denselben Sachverhalt eindeutig zu adressieren.
Der Unterschied wirkt sich auch auf die Mitarbeit aus. Wikipedia-Artikel werden geschrieben und diskutiert, Wikidata-Items werden befüllt und abgefragt. Eine eigene Abfragesprache erlaubt Auswertungen wie: alle Unternehmen mit Sitz in Nordrhein-Westfalen, die Laborgeräte herstellen. Genau solche Listen sind der Grund, warum der Bestand von anderen Diensten weiterverwendet wird.
Ein Item kann ohne Wikipedia-Artikel bestehen. Umgekehrt hat praktisch jeder Wikipedia-Artikel ein zugehöriges Item. Die Vorstellung, man müsse erst einen Artikel schreiben, ist also falsch — sie führt aber trotzdem oft zum richtigen Schluss, dass ohne öffentliche Aufmerksamkeit beides schwierig wird.
Erfüllt mein Unternehmen überhaupt die Relevanzkriterien?
Wikidata kennt drei Wege zur Aufnahme. Erstens: Das Objekt hat einen Artikel in einem Wikimedia-Projekt. Zweitens: Es ist eine klar identifizierbare Einheit, über die es ernsthafte, öffentlich zugängliche Quellen gibt. Drittens: Es wird gebraucht, um andere Items sinnvoll zu strukturieren.
Der zweite Weg ist der einzige, der für die meisten Unternehmen infrage kommt, und er ist strenger, als er klingt. Eine eigene Website und ein Handelsregisterauszug allein reichen der Gemeinschaft häufig nicht, weil sie keine unabhängige Wahrnehmung belegen.
Ein Großhändler für Laborbedarf mit vierzig Beschäftigten, über den nie eine Fachzeitschrift geschrieben hat, wird die Hürde in der Regel nicht nehmen. Ein Zulieferer, dessen Übernahme in der Wirtschaftspresse behandelt wurde und der in einer amtlichen Datenbank geführt wird, hat eine reelle Chance.
Wikidata belohnt nicht, wer sich einträgt, sondern wen andere unabhängig beschrieben haben.
Woraus besteht ein Item technisch?
Vier Bestandteile bilden das Gerüst. Das Label ist der Name in einer bestimmten Sprache. Die Beschreibung ist ein kurzer, nicht werblicher Halbsatz zur Unterscheidung, etwa deutscher Hersteller von Laborzentrifugen. Aliasse erfassen abweichende Schreibweisen.
Der eigentliche Inhalt steckt in den Aussagen. Eine Aussage verbindet eine Eigenschaft mit einem Wert, beide wiederum als Kennungen hinterlegt. Ergänzt wird sie durch Qualifikatoren, die den Geltungsbereich einschränken, etwa einen Zeitraum, und durch mindestens eine Fundstelle.
Die Beschreibung ist erfahrungsgemäß die Stelle, an der Unternehmen zuerst anecken. Sie ist kein Werbeplatz. Formulierungen wie führender Anbieter werden zuverlässig entfernt, und zwar meist innerhalb von Stunden.
Welche Eigenschaften sind für Unternehmen üblich?
Ein solides Item kommt mit einer überschaubaren Zahl von Aussagen aus. Wichtiger als Vollständigkeit ist, dass jede einzelne Aussage sauber belegt und korrekt typisiert ist.
- Die Art des Objekts, also Unternehmen, sowie die konkrete Rechtsform.
- Der Sitz als Ortsangabe und das Land, in dem die Gesellschaft ansässig ist.
- Das Gründungsdatum, wenn möglich mit Tagesgenauigkeit und Quelle.
- Die Branche oder das Tätigkeitsfeld und gegebenenfalls hergestellte Produktgruppen.
- Die offizielle Website sowie Kennungen aus Registern, etwa Handelsregister- oder LEI-Nummer.
- Beziehungen wie Muttergesellschaft, Tochtergesellschaften oder Vorgängerunternehmen.
Registerkennungen sind besonders wertvoll, weil sie das Item mit externen, geprüften Datenbeständen verbinden. Genau diese Verknüpfungen machen einen Datensatz für andere Dienste brauchbar.
Wie legen Sie ein Item praktisch an?
Der Ablauf ist unspektakulär. Sie melden sich mit einem Benutzerkonto an, prüfen zuerst über die Suche in allen Namensvarianten, ob bereits ein Item existiert, und legen erst dann ein neues an. Doppelte Items sind ein häufiger Anfängerfehler und müssen später aufwendig zusammengeführt werden.
Beginnen Sie mit wenigen, gut belegten Aussagen statt mit einem vollständigen Profil. Ein Item mit sechs sauberen Angaben und sechs Fundstellen übersteht eine Prüfung. Eines mit dreißig unbelegten Angaben zieht die Prüfung erst recht an.
- Legen Sie Label und Beschreibung zuerst an, in deutscher und englischer Sprache.
- Ergänzen Sie Aussagen einzeln und hängen Sie die Fundstelle sofort an, nicht später.
- Verknüpfen Sie den Sitz mit dem bestehenden Item der Gemeinde statt mit einem Freitext.
- Tragen Sie Aliasse für gängige Schreibvarianten ein, damit die Suche Ihr Item findet.
- Beobachten Sie das Item nach dem Anlegen, um Rückfragen aus der Gemeinschaft mitzubekommen.
Wie streng wird die Belegpflicht genommen?
Sehr streng, und das ist der wichtigste Punkt dieses Textes. Jede nicht triviale Aussage braucht eine Fundstelle, die die Aussage tatsächlich stützt. Als Fundstelle gelten veröffentlichte Quellen mit stabiler Adresse: amtliche Register, Behördenveröffentlichungen, Fachpresse, Geschäftsberichte.
Die eigene Website ist als Beleg nur für unstrittige Selbstauskünfte akzeptiert, etwa die Anschrift. Für alles, was Bedeutung behauptet, ist sie untauglich. Items, die überwiegend auf Selbstauskünften beruhen, landen zuverlässig in der Löschdiskussion.
Achten Sie auf die Qualität der Fundstelle, nicht nur auf ihre Existenz. Eine Pressemitteilung, die Ihr Haus selbst verbreitet hat, ist auch dann keine unabhängige Quelle, wenn sie auf einem fremden Portal erscheint. Erfahrene Mitwirkende erkennen solche Belege zuverlässig.
Der Ablauf dort ist nüchtern: Jemand stellt den Antrag, es wird einige Tage diskutiert, dann entscheidet eine administrativ tätige Person. Wer in dieser Zeit keine unabhängigen Quellen nachreicht, verliert das Item — inklusive der investierten Arbeit.
Wie geht die Gemeinschaft mit Interessenkonflikten um?
Bearbeitungen in eigener Sache sind nicht verboten, aber offenzulegen. Legen Sie ein Benutzerkonto mit erkennbarem Bezug an und vermerken Sie auf der Benutzerseite, für welches Unternehmen Sie tätig sind. Diese Transparenz kostet nichts und verhindert den Vorwurf der verdeckten Werbung.
Halten Sie sich zurück, wo Wertungen im Spiel sind. Sachliche Angaben wie Gründungsdatum oder Registernummer sind unproblematisch. Alles, was Bedeutung, Marktstellung oder Qualität berührt, sollten Sie anderen überlassen.
Wer über ein Dienstleistungsunternehmen anonym Items für Kunden anlegt und dabei die Offenlegung unterlässt, riskiert Sperren, die auch andere Bearbeitungen betreffen. Der kurzfristige Vorteil steht in keinem Verhältnis dazu.
Was dürfen Sie realistisch erwarten?
Ein gepflegtes Item ist ein zusätzlicher, gut strukturierter Bezugspunkt in einem offenen Datenbestand, den viele Systeme abfragen. Es ist kein Schalter, der Sichtbarkeit einschaltet, und keine Garantie, in Antworten genannt zu werden.
Sinnvoll ist das Item vor allem als Ergänzung: Es bestätigt, was auch andernorts steht, und hilft bei der Unterscheidung von gleichnamigen Häusern. Wenn Ihre Angaben im Netz noch widersprüchlich sind, arbeiten Sie besser zuerst daran.
Ein zweiter Nutzen wird selten genannt und ist manchmal der größere: Die Vorbereitung zwingt zur Klärung der eigenen Stammdaten. Wer Gründungsdatum, Registernummer und Beteiligungsverhältnisse belegen muss, stößt dabei regelmäßig auf Widersprüche in den eigenen Unterlagen und im eigenen Webauftritt.
Rechnen Sie außerdem mit laufender Pflege. Ein Maschinenbauunternehmen, das eine Tochtergesellschaft verkauft oder den Vorstand wechselt, muss das Item nachziehen — sonst verbreitet sich eine veraltete Angabe über alle abgeleiteten Dienste weiter.
Welche Alternativen gibt es, wenn die Relevanz nicht reicht?
Es gibt mehrere offene oder halboffene Datenbestände, die keine Bedeutungsprüfung kennen, weil sie an einen formalen Vorgang gebunden sind. Sie leisten für die eindeutige Identifikation oft mehr als ein knapp durchgewinktes Item.
- Eine LEI-Kennung nach dem GLEIF-System identifiziert juristische Personen weltweit eindeutig und wird gegen Gebühr vergeben.
- Der Eintrag im Handelsregister und dessen Veröffentlichungen sind ohnehin vorhanden und öffentlich abrufbar.
- Kammer- und Verbandsverzeichnisse führen geprüfte Mitgliederdaten mit Fachbezug.
- Branchenspezifische Fachdatenbanken verbinden Ihr Haus mit Produktkategorien und Normen.
- Register für Umsatzsteuer-Identifikationsnummern erlauben Dritten die Bestätigung Ihrer Angaben.
Verweisen Sie auf diese Kennungen konsistent von Ihrer Website aus. Damit erreichen Sie den Kern dessen, was ein Wikidata-Item leisten soll — nachprüfbare Eindeutigkeit — ohne sich einer Relevanzdiskussion auszusetzen.